Langlebiges Altertum, kurzlebige Neuzeit? Medienarchive von der Antike bis heute

Wer sich intensiver mit der Lebensdauer von Medien generell auseinandersetzt, wird schnell eine erstaunliche (?) Entdeckung machen: Je älter das Medium, desto langlebiger scheint es zu sein.

2007zile.jpg2007papy.jpg2007perg.jpg2007tota.jpg

Die Tontafeln der Sumerer sind 4000 Jahre alt und sehen so perfekt aus, als wären sie gerade erst entstanden. Schreibmaterial aus Ziegen- und Schafhäuten, vor über 2000 Jahren in Gebrauch gekommen, hat die Jahrtausende unbeschadet überlebt. Die älteste bekannte Bibelschrift, der Codex Sinaiticus, wurde mit Eichengalle auf Ziegenleder geschrieben. Hadernhaltiges Papier aus dem 15. Jahrhundert ist erstaunlich dauerhaft.

Mediengaus von der Antike bis heute

Wenn unser analoges Filmmaterial vergilbt und brüchig wird und sein Untergang absehbar wird, ist  das nicht der erste Untergang eines Mediums: 400 nach Christus mußte die Welt zusehen, wie sich die gesamte klassische Literatur der Griechen und Römer im wahrsten Sinne des Wortes auflöste, weil die Papyrusrollen langsam zerfielen. In einer für die damalige Zeit unglaublichen Rettungsaktion ließ der römische Kaiser Konstantin 100000 Werke auf das haltbarere Pergament kopieren.

Vergilben und Zerfall

Aber Papier aus der industriellen Produktion, wie wir sie seit etwa 150 Jahren kennen, überdauert nur noch 50 bis 80 Jahre. Im Jahr 1850 entdeckte die Papierindustrie den Holzschliff, das Verwenden stark zerkleinerter Holzmasse als Ersatz für den traditionellen, aus Lumpen gewonnenen Papierrohstoff. Das im Holz enthaltene Lignin führt schnell zum Vergilben und produziert organische Säuren im Papier, zersetzt die Zellulosefasern sukzessive und läßt das Papier brüchig werden.

Der Brand der historischen Anna-Amalia-Bibliothek

Die 1691 gegründete Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat rund 30.000 historische Werke bei diesem Brand verloren, etwa 40.000 Bücher wurden tiefgekühlt und eingelagert, bis sie eines Tages restauriert werden können.