Es muss nicht immer die große Blende sein

Bei Entfernung von drei oder vier Metern schon werden Sie feststellen, dass es kaum einen Unterschied beim geliebten Bokeh (der schönen Unschärfe vor und hinter dem Motiv) macht, ob das Objektiv um eine Blende geschlossen wird. Dafür aber kommt die brillante Schärfe des Objektivs so richtig zum Vorschein, die anderen Fehler verschwinden auch, und so wirkt das Bild viel plastischer und der Unterschied zwischen Motiv und Hintergrund wirkt tatsächlich größer.

Und bei manch einem preiswerten Objektiv kann der kleine Test ein wahrer Quell der Freude sein: Wenn nämlich das Objektiv zum kleinen Preis seine beste Schärfe schon bei offener Blende zeigt. Dann aber wird man wohl oder übel die Blende nicht sehr weit schließen dürfen, denn die kleinen Blenden werden dann keine gute Schärfe mehr bringen. Aber wer braucht schon kleine Blenden? Die hellen Häuserfronten im Sommerurlaub, Sport, Makro …

Die Blende ist nicht allein verantwortlich für die schöne Unschärfe. Auch der Zerstreuungskreis spielt eine Rolle, aber letztendlich hat die Abbildungsgröße das gewichtigste Wort. Der beste Trick für die Unschärfe ist also am Ende: Näher ran ans Motiv, Bild füllen …

So, trotz alledem ist die Lichtstärke eines Objektivs immer noch ein großer Sprung für die Qualität, auch wenn die größte Blende, die Offenblende, gar nicht so oft eingesetzt werden muss. Ein lichtstarkes Objektiv bringt einen helleren Sucher, in dem wir die Schärfe mit bloßem Auge besser erkennen, denn der Blick durch den Sucher ist immer der Blick durch die offene Blende.

Der Autofokus ist bei lichtstarken Objektiven schneller. Die meisten Kreuzsensoren des Autofokusfeldes reagieren erst ab Blende F2,8 als Kreuzsensoren. Bei kleineren Blende sind die besonders empfindlich ausgelegten Fokusfelder einfache Fokusfelder.